Home|Sitemap|
Suche

Der Müll der anderen

Von Julia Renner

Oberursel - Der Einsatzbefehl kommt gegen 0:30 Uhr. Wenige Minuten danach schwärmen 60 Männer aus, Handschuhe, Tüten und Greifzangen in der Hand. Während die letzten Besucher noch beim Hessentag unterwegs sind, räumen sie den Müll der anderen weg.

Im Weindorf wird noch getrunken und gelacht, als Savas Tasdemir seine Runde dreht zwischen Bänken und Weinständen. Den Müllsack in der einen, die Kneifzange in der anderen Hand "pickert" der 33-Jährige Papier, Kippenstummel und Becher vom Boden. Dass er arbeiten muss, während viele andere den lauen Abend genießen, macht ihm nichts aus: "Das stört mich nicht wirklich. Ich habe schon so viel gefeiert in meinem Leben und werde das ja auch noch tun."
Bernd Blank geht es ähnlich. "Es ist ungewohnt nachts zu arbeiten", sagt er. Weil er wusste, dass Mitarbeiter für diesen Einsatz gesucht werden, hat er sich freiwillig gemeldet. "Und nachts kann ich wenigstens in Ruhe arbeiten." Blank fährt den einzigen Presswagen, der nachts beim Hessentag im Einsatz ist. Seine Kollegen laden mehr als zehn Tonnen Müll jede Nacht in das Fahrzeug. Dort werden die Party-Überreste dann auf eine handliche Größe zusammengepresst.
In drei Trupps sind die Mitarbeiter von FFR unterwegs, einem Tochterunternehmen des Frankfurter Entsorgungs- und Service-Unternehmens FES. Bis morgens um acht Uhr haben sie Zeit, sämtliche Veranstaltungsflächen und die Hessentags-Straße vom Müll zu befreien. Fast 2000 Mülltonnen müssen geleert werden und teilweise stockdunkle Flächen nach Müll abgesucht werden. "Schon ab fünf Uhr morgens sind 55 Kontrolleure unterwegs, die schauen, ob alles ordentlich ist", sagt Thomas Baumeister, einer von drei FFR-Einsatzleitern.
Unter Zeitdruck geraten die Aufräumer schnell, wenn irgendwo länger gefeiert wird als gedacht. Dann muss der Trupp später zur Reinigung kommen. Manchmal wird allerdings auch während einer Veranstaltung gereinigt. "Bei der youfm-Party werden wir das zum Beispiel machen, damit es hinterher nicht so schlimm ist", sagt Baumeister. Denn das Ziel ist: "Die Besucher sollen saubere Wege und Flächen vorfinden."
Auch beim großen Hessentags-Umzug an diesem Sonntag sind die FFR-Kollegen im Einsatz. "Wir räumen mit einer Kehrmaschine direkt hinter dem Festzug her", sagt Vertriebsleiterin Silke Feiler. Wenn der Hessentag zu Ende ist, ist für die Aufräumer noch nicht Schluss. "Bis zum Mittwowch, 22. Juni, sind wir noch hier in Oberursel." Denn nach dem Abbau von Zelten, Ständen und Karussells stehen Grundreinigungen an.
Viel gesehen hat Einsatzleiter Thomas Baumeister dann allerdings nicht vom Hessenfest. "Aus Zeitgründen", sagt er. Dabei hätte er gern die Atmosphäre genossen. Das holt er dann 2012 nach. Baumeister wohnt in Wetzlar. Und dort findet der nächste Hessentag statt.

(Erschienen in Rhein-Main EXTRA TIPP am 18. Juni 2011)

Impressum|Datenschutz|AGB| © 2007 FFR GmbH